Elektriker oder DIY? Was du selbst machen darfst – und was nicht
Dipl.-Ing. Iyad Shurafa
Geschäftsführer von TESHGE
Das Wichtigste in Kürze
- Leuchtmittel tauschen, Lampen an bestehende Anschlüsse hängen und Geräte anschließen – das darfst du selbst.
- Alles hinter der Steckdose (Leitungen, Verteiler, Sicherungen) ist Sache des Fachbetriebs.
- Bei Arbeiten am Zähler oder an der Hauptverteilung ist ein eingetragener Installationsbetrieb Pflicht.
- Wer ohne Fachkenntnis an der Elektrik arbeitet, riskiert Lebensgefahr und Versicherungsschutz.
Foto: Werkzeug und Sicherungskasten – Grenze zwischen DIY und Fachbetrieb
Das darfst du selbst machen
Gute Nachricht vorweg: Es gibt Dinge, die du als Laie problemlos selbst erledigen kannst. Die Grenze ist klar: Solange du nichts an der fest installierten Elektrik veränderst, bist du auf der sicheren Seite.
Erlaubt ohne Fachkenntnisse:
- Leuchtmittel tauschen – Glühbirne raus, LED rein. Vorher den Lichtschalter ausschalten.
- Lampe an bestehenden Anschluss hängen – Die Deckendose ist da, die Kabel hängen raus? Lampe anschließen darfst du – solange du die Sicherung vorher rausdrehst und weißt, welches Kabel was ist (braun = Phase, blau = Neutralleiter, grün-gelb = Schutzleiter).
- Geräte an Steckdosen anschließen – Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine mit Schuko-Stecker: einstecken und fertig.
- Sicherung zurücksetzen – FI-Schutzschalter oder Leitungsschutzschalter ist rausgeflogen? Zurücksetzen darfst du. Aber: Wenn er sofort wieder auslöst, Finger weg und Fachbetrieb anrufen.
- Rauchmelder montieren – Batteriebetriebene Rauchmelder an die Decke schrauben ist kein Eingriff in die Elektrik.
- Kabelkanal montieren – Aufputz-Kabelkanäle für Netzwerkkabel oder TV-Kabel anbringen: kein Problem.
- Steckdosenleisten und Verlängerungskabel – Nutzen und anbringen darfst du natürlich.
Tipp: Auch bei erlaubten Arbeiten gilt: Sicherung raus, bevor du an einem Lampenanschluss arbeitest. Und mit einem Phasenprüfer oder besser einem zweipoligen Spannungsprüfer testen, ob wirklich kein Strom mehr fließt.
Das darf nur der Fachbetrieb
Jetzt wird es ernst. Alles, was die fest installierte Elektrik betrifft, darf nur ein zugelassener Elektrofachbetrieb ausführen. Das ist keine Empfehlung – das ist gesetzlich geregelt.
Nur für den Fachbetrieb:
- Steckdosen und Schalter tauschen oder neu installieren – Auch wenn es einfach aussieht: Eine Steckdose anzuklemmen erfordert Fachwissen über Leiterquerschnitte, Absicherung und Installationszonen.
- Leitungen verlegen – Egal ob Aufputz oder Unterputz: Neue Stromkreise anlegen ist Facharbeit.
- Arbeiten im Sicherungskasten – FI-Schutzschalter einbauen, Sicherungsautomaten tauschen, neue Stromkreise aufschalten.
- Herd und Ceranfeld anschließen – Starkstrom (400 V). Falsche Verdrahtung = Kurzschluss, Brand oder tödlicher Stromschlag.
- Durchlauferhitzer anschließen – Starkstrom, hohe Leistung, eigener Stromkreis nötig.
- Wallbox installieren – Muss vom eingetragenen Installationsbetrieb beim Netzbetreiber angemeldet werden.
- Arbeiten am Zähler – Zählerschranktausch, Zähler setzen, Hauptsicherung: nur vom eingetragenen Installationsbetrieb.
- Photovoltaik anschließen – Einspeisezähler, Wechselrichter, Anmeldung beim Netzbetreiber: alles Facharbeit.
Lebensgefahr: Starkstrom (400 V) kann sofort tödlich sein. Herd, Durchlauferhitzer und Wallbox gehören in die Hände eines Fachbetriebs. Ohne Ausnahme.
Warum ist das so streng geregelt?
Die Regeln existieren aus gutem Grund. Elektrizität verzeiht keine Fehler.
Gesetzliche Grundlage
Die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) §13 regelt klar: Arbeiten an elektrischen Anlagen dürfen nur von einem eingetragenen Installationsunternehmen ausgeführt werden. Zusätzlich gelten die VDE-Normen (Verband der Elektrotechnik), die den Stand der Technik definieren.
Versicherungsschutz
Deine Wohngebäude- oder Hausratversicherung zahlt bei einem Brandschaden nur, wenn die Elektrik fachgerecht installiert wurde. Hast du selbst Steckdosen gesetzt oder Leitungen verlegt, kann die Versicherung die Zahlung verweigern – egal ob deine Arbeit den Brand verursacht hat oder nicht.
Haftung
Passiert jemandem etwas durch eine fehlerhafte Elektroinstallation, die du selbst gemacht hast, haftest du persönlich. Das gilt auch gegenüber Mietern, Besuchern oder Nachbarn. Im schlimmsten Fall strafrechtlich.
Was passiert, wenn du es trotzdem selbst machst?
Mal ehrlich: Es macht es natürlich niemand, der sich erwischen lassen will. Aber die Konsequenzen können verheerend sein.
Mögliche Folgen:
- Versicherung zahlt nicht – Nach einem Brand prüft der Gutachter die Elektrik. Fällt auf, dass ein Laie gearbeitet hat, verweigert die Versicherung die Zahlung. Bei einem Hausbrand reden wir von sechsstelligen Beträgen.
- Persönliche Haftung – Wenn ein Mieter, Familienmitglied oder Besucher durch deine Installation zu Schaden kommt, haftest du mit deinem Privatvermögen.
- Strafrechtliche Konsequenzen – Wird jemand verletzt oder stirbt, droht ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung oder Tötung.
- Probleme beim Verkauf – Wer ein Haus verkauft, muss für Mängel haften. Nicht fachgerecht ausgeführte Elektroarbeiten sind ein Mangel.
- Netzbetreiber verweigert Anschluss – Wer ohne Eintragung am Zähler arbeitet, riskiert die Stromabschaltung.
Fakt: In Deutschland sterben jedes Jahr rund 200 Menschen durch Stromunfälle. Viele davon bei unsachgemäßen Arbeiten an der Hauselektrik.
"Aber mein Nachbar hat doch auch..." – Häufige Irrtümer
"Steckdosen tauschen ist doch einfach."
Technisch ja. Rechtlich nein. Und was du nicht siehst: Stimmt der Leiterquerschnitt? Ist die Absicherung korrekt? Sitzt die Dose fest? Ist der Schutzleiter angeschlossen? Ein Fehler – und die Steckdose wird zur Brandgefahr.
"Ich hab mir ein YouTube-Video angeschaut."
YouTube-Tutorials ersetzen keine dreijährige Ausbildung. Die Videos zeigen den Idealfall. Was sie nicht zeigen: Aluminiumleitungen, fehlende Schutzleiter, überlastete Stromkreise, falsche Absicherungen.
"In meinem alten Haus interessiert das doch keinen."
Doch. Deine Versicherung. Und im Schadensfall den Gutachter. Und unter Umständen die Staatsanwaltschaft.
"Mein Vater war Elektriker – der hat mir das gezeigt."
Wenn dein Vater Elektromeister ist und einen eingetragenen Betrieb hat, kann er die Arbeit übernehmen und abnehmen. Ansonsten hilft dir seine Erfahrung nicht bei der Haftungsfrage.
"Die Steckdose hat funktioniert – also ist alles gut."
Dass Strom fließt, heißt nicht, dass die Installation sicher ist. Fehlende Erdung, zu dünne Leitungen oder eine falsche Absicherung merkst du nicht – bis es knallt.
Wann lohnt sich der Fachbetrieb besonders?
Es gibt Situationen, in denen du nicht einmal darüber nachdenken solltest, selbst Hand anzulegen:
- Altbau – Alte Leitungen, unbekannte Materialien, fehlende Dokumentation. Hier lauern Überraschungen, die nur ein Fachmann einschätzen kann.
- Küche – Starkstrom für den Herd, separate Stromkreise für Geschirrspüler und Kühlschrank, Steckdosen an der Arbeitsfläche. Alles muss normgerecht geplant werden.
- Badezimmer – Schutzbereiche, FI-Pflicht, Feuchtraumvorschriften. Ein falscher Anschluss kann tödlich enden.
- Wenn du unsicher bist – Lieber einmal zu viel den Fachmann fragen als einmal zu wenig. Eine ehrliche Beratung kostet nichts – ein Fehler kann alles kosten.
Gut zu wissen: Eine kurze telefonische Beratung ist bei vielen Betrieben kostenlos. Ruf an, schildere dein Problem – und du weißt in 5 Minuten, ob du einen Elektriker brauchst oder nicht.
Warum TESHGE?
- Ingenieurbetrieb – Planung und Ausführung aus einer Hand, Geschäftsführer ist Diplom-Ingenieur
- Eingetragener Installationsbetrieb – Wir dürfen alles, was ein Laie nicht darf: am Zähler arbeiten, beim Netzbetreiber anmelden, abnehmen und dokumentieren
- Ehrliche Beratung – Wir sagen dir offen, was nötig ist und was nicht. Kein Upselling, kein Drama.
- Festpreisangebot – Was im Angebot steht, gilt. Keine versteckten Kosten
- Schnelle Termine – Auch für Kleinaufträge. Du musst nicht drei Wochen warten, um eine Steckdose setzen zu lassen.
Lieber auf Nummer sicher gehen?
Vereinbare jetzt deine kostenlose Erstberatung. Wir sagen dir ehrlich, was du selbst machen kannst – und was besser ein Fachbetrieb übernimmt.
Erstberatung vereinbarenPassende Leistungen
Artikel teilen
Weitere Ratgeberartikel
Alle ArtikelFoto: Geöffneter Sicherungskasten mit beschrifteten Sicherungsautomaten
Sicherungskasten verstehen: Was jeder Schalter bedeutet
Foto: FI-Schutzschalter (RCD) im Sicherungskasten eingebaut
FI-Schutzschalter nachrüsten: Wann ist es Pflicht und wie läuft es ab?
Foto: Elektriker bei der Arbeit an einer Unterverteilung